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21. September 2009. Nachrichten: Afghanistan - Politik & Recht Abdullah Abdullah

Ein Portrait des afghanischen Präsidentschaftskandidaten

Abdullah Abdullah gehört derzeit zu den Männern in Afghanistan, auf denen das Augenmerk des politischen Interesses liegt. Er ist der bedeutendste Konkurrent des amtierenden Präsidenten Hamid Karsai, dessen Wiederwahl oder Nachfolge seit der Präsidentschaftswahl am 20. August 2009 noch immer nicht feststeht, da beide Amtsanwärter den Posten für sich beanspruchen. Abdullah versprach in seinem Wahlkampf den politischen "Wandel" (change), ebenso wie Barack Obama beim US-amerikanischen Wahlkampf im vergangenen Jahr. Abdullah beansprucht, für den Wandel in Afghanistan zu stehen. Er verspricht eine Politik der Transparenz, in der sich die Menschen aktiv am politischen Leben des Landes beteiligen sollen.

Der afghanische Politiker Abdullah Abdullah wurde 1961 in Kabul geboren und ist ein Weggefährte des Politikers und Kommandeurs der tadschikischen Milizen, Ahmad Schah Massoud.

Begonnen hatte seine berufliche Karriere mit dem Studium der Augenheilkunde in den Jahren 1977 an der Universität Kabul bis zu seiner Promotion im Jahre 1983. Bis 1985 arbeitete er als Augenarzt, um sich danach der Arbeit mit afghanischen Flüchtlingen in Pakistan zu widmen, wodurch er auch mit dem antisowjetischen Widerstand in Kontakt kam. Hier trat er den afghanischen Mujahedin bei und diente außerdem als Verantwortlicher in Gesundheitsfragen für die Widerstandsfront des Panjshirtals, welches 100 km nordöstlich von Kabul liegt. Bei dieser Arbeit lernte er Ahmad Schah Massoud kennen, der ebenfalls gegen die sowjetischen Besatzungstruppen kämpfte. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen, mit Beginn des afghanischen Bürgerkrieges, wurde er zur rechten Hand Massouds im Kampf gegen die fundamentalistischen Taliban.

Auch bei der Unterstützung der US-Truppen im Kampf gegen die Taliban spielte Abdullah eine tragende Rolle. Er gilt als einer der wichtigen Führer der nordafghanischen Gruppe der Tadschiken, obwohl er selbst zur Hälfte paschtunischer Herkunft ist.

Seit über 20 Jahren gehört Abdullah Abdullah zum politischen Kern der afghanischen Gesellschaft. Vor der Berufung in das Kabinett des afghanischen Präsidenten Karsai wirkte er als Außenminister der Nordallianz, sowie als Sprecher ihres militärischen Führers Ahmad Schah Massoud, wobei dem vierfachen Vater sein breites Sprachenspektrum (er spricht Dari, Pashto und Englisch fließend und hat darüber hinaus Kenntnisse in der arabischen und der französischen Sprache) hilfreich war. Von 1992 bis 1996 war er Sprecher des Verteidigungsministeriums und anschließend Abgeordneter für auswärtige Beziehungen. Seit dem Jahr 1999 bis zum Sturz der Taliban agierte Abdullah als Verwalter des Außenministeriums für die international anerkannte Exilregierung der Islamischen Republik Afghanistan.

Nach den Terroranschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 und dem Mord an Ahmad Schah Massoud zwei Tage zuvor, welcher durch einen arabischen Selbstmordattentäter der Terrororganisation al-Qaida verübt wurde, wirkte Abdullah am Aufbau der provisorischen Regierung in Afghanistan mit. In den Jahren 2001 bis 2006 arbeitete er als Außenminister unter Hamid Karsai, wurde aber bei der Kabinettsumbildung am 22. März 2006 entlassen. Ein möglicher Grund hierfür ist die Abneigung Karsais gegen die Dominanz der Nordallianz in der afghanischen Regierung. Seine Nachfolge trat Rangin Dadfar Spanta an. Seitdem sitzt Abdullah im Parlament und wurde 2009 als einer der Kandidaten für die anstehende Präsidentschaftswahl gewählt.

Nach Abdullahs Vorstellung einer afghanischen Demokratie ist es möglich, dass "Islamic characteristic[s] harmoniously can coexist in a democracy". Die Prinzipien der islamischen Religion seien in einer Demokratie perfekt anwendbar, glaubt der Präsidentschaftskandidat: "We in Afghanistan as a Muslim nation are keen to implement democratic principles of governance. [...] We can further state that the principles defined by our great religion of Islam can perfectly be applied in a democratic state." Notwendig für die Demokratie in Afghanistan seien die Transparenz der Regierung, die Informationsfreiheit und die Bildung der Bürger. Nur mit der nötigen politischen Bildung und Beteiligung der Menschen sei es möglich, sie von den Radikalen fernzuhalten, glaubt der als gemäßigt geltende Politiker.

Bei der Präsidentschaftswahl 2009 profitierte er von einer Reihe negativer Entwicklungen in Afghanistan: neben dem Erstarken der Taliban vor allem von der täglichen Korruption, der zunehmenden Vetternwirtschaft und der verstärkten Abhängigkeit des Landes von den westlichen Geldgebern. All diese Entwicklungen brachte er mit dem Namen Karsai in Verbindung, wodurch die massive Kritik Abdullahs an dem amtierenden Präsidenten eine Basis bekam. Abdullah wirft Karsai vor, er habe die "glänzende Gelegenheit" nach dem Sturz der Taliban zu einer erneuten Katastrophe verkommen lassen. Die Sicherheitslage des Landes gerate außer Kontrolle, die politische Situation versinke im Chaos und den Alltagsproblemen der Afghanen würde nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Abdullah verspricht den Menschen "Wandel", hinaus aus der Krise, hin zu einer viel versprechenden Zukunft, doch seine eigenen Vorhaben dabei bleiben vage Zukunft.

 

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