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Südasien und Südostasien :
Die benachbarten Regionen haben nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte, sondern sind auch heute in vielerlei Hinsicht miteinander verknüpft und mit ähnlichen Entwicklungen, Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Diese "Süd-Süd-Beziehungen" stehen im Zentrum des Themenschwerpunktes ...
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Um so erfreulicher ist es, dass sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen gerade in den letzten Jahren eine wachsende Zahl deutschsprachiger Autoren der Herausforderung stellt, dem hiesigen Publikum zum einen den aktuellen Forschungsstand und die vielgestaltigen Geschichtsdebatten nahe zu bringen, und zum anderen einen innovativen und eigenständigen Beitrag zur Erforschung und Interpretation der neueren Geschichte Südasiens zu leisten. Zu ihnen gehört auch Michael Mann, Dozent an der Fern-Universität Hagen, von dem bereits zahlreiche Arbeiten, unter anderem zur Umweltgeschichte und kolonialen Staatsformierung in Südasien, erschienen sind.
Mit seiner "Geschichte Indiens vom 18. bis zum 21. Jahrhundert" möchte sich Mann deutlich von den bisherigen Gesamtdarstellungen abheben. So liefert er darin auch keine chronologische Darstellung, die sich auf die jeweiligen Eliten konzentriert, sondern greift mit den einzelnen Kapiteln zur Reichsbildung und Staatsformierung, Landwirtschaft und Waldbewirtschaftung, Migration und Diaspora, Industrialisierung und Urbanisierung sowie zu Wissenschaften und Technik ganz unterschiedliche thematische Felder und Zugangsmöglichkeiten zur neueren Geschichte des indischen Subkontinents auf. Damit erhebt der Autor keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern argumentiert sehr überzeugend, dass es allein über diesen pluralistischen Ansatz möglich ist, die Geschichte Indiens überhaupt angemessen darzustellen. Aspekte der Translokalität und Interkontinentalität spielen dabei eine entscheidende Rolle, weswegen die "Geschichte Indiens" weder auf die territorialen bzw. nationalstaatlichen Grenzen des Landes beschränkt noch als linearer, einheitlicher Prozess erzählt werden kann. Bis auf das Kapitel zur Reichsbildung und Staatsformierung, das recht komprimiert geschrieben ist und grundsätzlich vielleicht doch etwas zu viel Vorwissen voraussetzt, um als "Einführung" gelten zu können, sind die einzelnen Teile des Buches gut zu lesen und bieten eine sehr interessante Heranführung an die jeweiligen Themenbereiche.
Damit wird zugleich die Begrenztheit des historiografischen Hilfsmittels der Periodisierung vor Augen geführt, denn für die 'Geschichte der indischen Forstwirtschaft' ergibt sich beispielsweise eine Chronologie, die zwangsläufig von jener der 'Geschichte der indischen Arbeitsmigration' abweicht. Also können Periodisierungen jeweils nur dazu dienen, sich über ein Themenfeld einen chronologischen Überblick zu verschaffen.
Wie Mann betont, ist die Geschichte niemals festgeschrieben, sondern unterliegt der permanenten Diskussion und Neuinterpretation, weswegen seine "Geschichte Indiens" auch viele informative Passagen zur Geschichtsschreibung selbst und den ihr zugrunde liegenden Geschichtsdebatten in Indien bzw. Südasien enthält. Da die Orientphilologien in Deutschland im größeren Kontext des "westlichen Orientalismus" eine ganz eigene Geschichte und ideologische Bedeutung haben, wäre es jedoch sinnvoll gewesen, auch auf die "Verwicklung" der deutschsprachigen Orientalisten in diese Prozesse einzugehen. Seit einigen Jahren wird beispielsweise eine Debatte über die Indologie und ihre Bedeutung für den indischen Nationalismus geführt, auf die zumindest hingewiesen werden sollte, gerade in einem Buch, das sich an ein deutschsprachiges Publikum wendet.
Bisweilen entsteht beim Lesen der Eindruck, dass das Buch seitens des Verlages etwas flüchtig lektoriert wurde, was bei einem UTB-Band nicht unbedingt zu erwarten ist. Dem Inhalt tut dies keinen Abbruch, es bleibt also zu hoffen, dass diese "Geschichte Indiens" von Michael Mann einen möglichst breiten Leserkreis finden wird.
Quelle: Michael Mann, Geschichte Indiens vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, Paderborn u.a.: Schöningh, 2005, 431 Seiten
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